Am gestrigen Freitag besiegten Axel Heinrich (TTR. 1218, in Straßenkleidung mit geliehenem Schläger) und Andreas Mock (TTR: 1198, im Vorfußentlastungsschuh mit gebrochenem Zeh) im Doppel die Mannen Florian Becker (TTR: 1462) und Stefan Bronner (TTR: 1400) souverän. Je nach Sichtweise wäre damit das Wichtigste vom gestrigen Tischtennis-Freitag gesagt. Zumindest für die beiden Erstgenannten gibt es nichts weiteres von Bedeutung.
Aber, es gibt ja auch andere Perspektiven und Sichtweisen, die das obige vereinsinterne Spitzenspiel aus dem Mikrokosmos der SSG Augsburg plötzlich dann doch weniger bedeutend erscheinen lassen.
Gestern war nämlich für die SSG Augsburg der letzte Spieltag einer – vor allem in der Endphase – sehr bewegten Saison.
Die erste Mannschaft trat gegen die dritte Mannschaft der TSG Hochzoll an. Nach dem spannenden Sieg gegen die vierte Mannschaft der TSG Hochzoll in Hochzoll am 13.03.2026 (wir haben berichtet), bei dem sich die erste Mannschaft eben keine Punkte hat entreißen lassen, war das gestrige Spiel für die SSG nicht mehr relevant. Genau ein Platz vor dem Relegationsplatz war gesichert. Eine weitere Saison in der Bezirksliga gehalten, was eine beachtliche Leistung ist, da es – wie in jeder Saison – auch immer wieder zu Ausfällen der Mitglieder der Stammmannschaft kam, die dann durch wackere Mitstreiter aus den unteren Mannschaften aufgefüllt werden mussten. Während drei der Ersatzleute feststellen mussten, dass es in der Bezirksliga schon hochkarätig zugeht, konnte sich Constantin Groß mit seinem auffälligen Verteidigungsspiel dem ein oder anderen Gegner erwehren und entscheidende Spiele für die erste Mannschaft gewinnen.
Immer, also bei allen 20 Begegnungen, war der Mannschaftsführer Markus Wörnhör da. Und er konnte mit einer recht ausgeglichenen Bilanz auf der vierten Position und je nach Ausfällen auch weiter oben ein grundsolides Fundament setzen. Mit nur einer Begegnung weniger, also quasi auch immer, selbst wenn er noch kurz vor Spielbeginn seiner Aufgabe als Chef-Trainer der Jugend nachkommen musste, war Andreas Thoma auf Platz 1 der Mannschaft im Einsatz. Mit einer Spielebilanz von +18 wurde er seiner Rolle und seinem eigenen Anspruch als Nummer 1 mehr als gerecht und trägt damit natürlich wesentlich zum Klassenerhalt bei. Maximilian Scholze und Rainer Göbel mussten leider oft verletzungsbedingt ausfallen oder spielten manchmal auch dann, wenn der Arzt nicht dazu geraten hätte. Viel entscheidender war aber, dass genau dann ein Spiel gewonnen wurde, wenn es besonders darauf ankam.
Aber, zurück zum gestrigen Spiel. Ja, da wollte man definitiv nicht klein beigeben, obwohl der Klassenerhalt in sicheren Tüchern war. Im Vorfeld wurde Speis‘ und Trank als Saisonabschluss versprochen, was im Schwabenland natürlich eine Reihe Vereinsmitglieder, aber auch andere Zuschauer in die Halle lockte. Und eine Feier am Ende eines verloren Spiels wäre ja nicht wirklich so schön, weshalb sich die erste Mannschaft in Stammbesetzung nochmal aufbäumte, um die TSG Hochzoll III in die Schranken zu weisen. Am Ende, nach vielen sensationellen Ballwechseln und sehr ansehnlichem Tischtennis stand ein salomonisches 5:5 auf der Zähltafel, mit dem der eine mehr, der andere weniger leben konnte.
Auf jeden Fall ein Ergebnis, bei dem der Umtrunk danach schmeckte.
Die zweite Mannschaft, die zu Beginn der Saison noch davon träumte, um den Aufstieg spielen zu können, konnte sich grundsolide im Mittelfeld der Tabelle halten. Die Stammmannschaft musste auch hier regelmäßig ersetzt werden, was dazu führte, dass insgesamt 12 verschiedene Vereinsmitglieder zum Einsatz kamen. Stabil vorneweg Constantin Groß mit 17 Einsätzen (Spielebilanz +18) und Florian Becker mit 14 Einsätzen (Spielebilanz +6), dicht gefolgt von Dieter Priegl (10 E / +3) und Jens Peche (10 E / -4).
Damit kann in der kommenden Saison das Aufstiegsziel erneut angegangen werden, wenn man es schafft, die Kernmannschaft möglichst oft zum Einsatz zu bringen.
Für die dritte Mannschaft verlief die Saison sehr turbulent. Hatte der Verein zu Beginn der Saison noch aufgrund der recht langen Liste der Spielwilligen darüber nachgedacht, eventuell eine vierte Mannschaft an den Start zu bringen, zerfiel diese Liste in der Folge schneller als eine Sandburg bei Starkregen. Jens Peche, der sich zu Beginn der Saison noch frohen Mutes zur Aufgabe des Mannschaftsführers hat hinreißen lassen, sah sich recht bald einer Situation gegenüber, in der er immer vier Mannschaftsmitglieder zusammenkratzen musste. Die Hinrunde verlief diesbezüglich ganz schlimm, weshalb die dritte Mannschaft die Hinrunde auch auf dem letzten Rang der Tabelle abschließen musste.Die Rückrunde begann insofern vielversprechend, als dass gute Spieler wieder in den Spielbetrieb eingreifen konnten, um das Ruder rumzureißen. Man kämpfte sich zurück in das untere Tabellendrittel, mit dem Ziel, so weit wie möglich vom Abstiegsplatz wegzukommen. Betrachtet man die Rückrunde alleine, hat die Dritte sich auf den dritten Platz gearbeitet, also wirklich respektabel. Leider war es so, dass man zur falschen Zeit gegen den falschen Gegner ein oder zwei Punkte liegen ließ, gute Mannschaften ganz vorne in der Tabelle plötzlich gegen Mannschaften, die auch im Abstiegskampf waren, nicht mehr gut spielten und schwupp, sah man sich einer Situation gegenüber, in der man aus eigener Kraft keinen Einfluss mehr auf den Abstieg hatte. Entscheidend war plötzlich auch ein Spiel am gestrigen Freitag. Und zwar SSV Anhausen III, der zu diesem Zeitpunkt Tabellenletzte, gegen TSV Gersthofen 1909 IV auf dem drittletzten Platz. Würde Anhausen gewinnen, wären Gersthofen und Anhausen punktgleich genau einen Punkt vor der SSG, die dann absteigen würde. Bei einem Unentschieden wären Anhausen und SSG punktgleich, aber die SSG mit einem schlechteren Satzverhältnis auch raus. Göggingen musste für die SSG gewinnen, obwohl sie auch ohne Gewinn weiter wären. Die Redaktion war nicht dabei, um sich ein Bild zu machen, ob und wie sich Anhausen gewehrt hat. Mit einem sehr deutliches 9:1 für Gersthofen hat sich Gersthofen jedem denkbaren Vorwurf der Mauschelei entzogen und ganz klar gemacht, dass sie in der Liga bleiben wollen. Gleichzeitig haben sie der dritten Mannschaft der SSG „den Arsch gerettet“, die in Stammbesetzung definitiv in die Bezirksklasse C gehört. Puh, es scheint doch einen TT-Gott zu geben.
Ja, regularienbedingt können Spieler aus den unteren Ligen bei den oberen Mannschaften aushelfen, aber andersherum nicht. Aus diesem Grund ist es dann am Ende einer Saison auch immer interessant zu sehen, wie sich denn der Einsatz mannschaftsübergreifend darstellt, was man auf einen Blick nicht leicht erkennen kann. Und hier möchte ich folgende Vereinsmitglieder herausstellen, die einfach durch die schiere Anzahl ihrer Einsätze einen großen Beitrag leisten: Constantin Groß gleich auf mit Jens Peche, der zudem die diesmal schwierige Aufgabe des Mannschaftsführers erdulden musste, mit jeweils 25 Einsätzen, dicht gefolgt von Josef Appl mit 22 Einsätzen und Florian Becker mit 20 Einsätzen. Danke für’s Aufrechterhalten des Spielbetriebs über Mannschaftsgrenzen hinweg.
Und einen darf man nicht vergessen, der hier noch nicht genannt wurde: Martin Berchtold, der ruhige Mann im Hintergrund bei der Jugendarbeit. Ich persönlich habe ihn nicht laut „Hier!“ rufen hören, als es darum ging, wer regelmäßig Dienstags und Freitags um 18:00 Uhr für 1,5 Stunden die Jugendarbeit wesentlich mittragen möchte. Er macht es aber. Gefühlt in zweiter Reihe hinter Andreas Thoma, der als Chef-Trainer der Jugend wahrgenommen wird. Die Kids mögen ihn und er auch die Kids, selbst wenn sie ihm manchmal den letzten Nerv rauben.
Und auch die Jugendmannschaft war in dieser Saison sehr erfolgreich. Bis zuletzt auf Platz 1 der Tabelle, wurde sie nur durch den Sieg von der TSG Hochzoll IV gegen Anhausen II am heutigen Tag von Platz 1 vertrieben und müssen sich mit dem Platz 2 begnügen. Aus gut unterrichteten Quellen wird gemunkelt, dass die TSG Hochzoll den Aufstiegsplatz nicht wahrnehmen wird, weil es bei den jungen Jugendlichen wichtig ist, dass diese im Spielbetrieb nicht regelmäßig „verhauen“ werden. Da muss man als Betreuer sehr darauf achten, dass die Lust am Ligaspielbetrieb nicht verloren geht.
Der aufmerksame Leser, der es bis hierher geschafft hat, wird bemerkt haben, dass in diesem Artikel immer wieder die gleichen Vereine genannt wurden. Ja, so ist es im Bezirk Schwaben-Nord. Eine überschaubare TT-Familie, in der man immer wieder auf die gleichen Protagonisten stößt. Es ist aber tatsächlich Zufall, dass gestern und heute Anhausen, TSG Hochzoll und die SSG Augsburg bei Jung und Alt – einem Kammerspiel gleich – eine wesentliche Rolle gespielt haben. Auf jeden Fall kann die nächste Saison kommen.
Apropos „Verhauen“: Zum Glück sind Stefan und Florian aus dem ersten Absatz dieses Artikel bekanntermaßen mental gefestigt… 😂😂😂